Vorsicht, „Judenkarte“

Leserbrief zum Spiegel-Titel:
Das überförderte Kind

PiratInnen?
Da hört der Spaß auf

It’s payback time

Killing bin Laden – right or wrong?

The elite’s historical amnesia

Freedom of opinion: A burning issue

Big Brother’s not watching

Raise wages, reduce debt

Germany’s ‘Iron Lady’

Sorry to see her go

Live and let live

Ayoba South Africa!

Why I’m against referendums

 

Archiv 2006 - 2009

Leserbrief zum Titel: „Das überförderte Kind“,
Der Spiegel, 17. Oktober 2011

Hier der ungekürzte Leserbrief:

Die Titelgeschichte drückt sich um die Antwort auf die Frage, weshalb Mittelschichteltern ihre Kinder überfordern/überfördern. Vor zehn Jahren, als Erziehungsexpertinnen in meinungsführenden Wochenblättern es noch kritisierten, dass Jungs und Mädchen im Kindergarten in der Sandkiste sitzen statt Englisch zu lernen („Buddeln, buddeln, und schon sind die kostbaren Kindersommer im Sand verschwunden.“), haben wir in einem Buch diese Frage so beantwortet: weil Eltern schon früh die Karriere ihrer Kinder im Blick haben; weil Eltern sich dem „Terror der Ökonomie“ (Vivian Forrester) beugen, aus Sorge, die Kinder könnten durch die Schuld ihrer Eltern beim Wettlauf um die besten Jobs einen Fehlstart hinlegen; weil AutorInnen Eltern ermahnen, ihre „Pflichten gegenüber Familie, Vaterland und Zukunftssicherung“ zu erfüllen; weil Soziologen und Erziehungswissenschaftlerinnen Kinder als Ressource ansehen; weil Bestsellerautorinnen uns verkaufen, dass Kinder sich möglichst früh das (Welt)Wissen aneignen sollen, mit dem sie zur „kollektiven Intelligenz“ des deutschen Volks beitragen können und es als „sinnvolles Lernen“ ansehen, wenn ein Zweijähriger auf einem Atlas alle US-Staaten identifizieren kann; weil Unternehmerverbände, die „Abnehmer der Produkte“ des Bildungssystems (Bundesverband Mittelständische Wirtschaft), von Schulen erwarten, dass Kinder viel weitgehender als bisher mit Blick auf die „Erfordernisse der Arbeitswelt“ ausgebildet werden; weil die Strategen in Unternehmensberatungen, Dax-Unternehmen und Stiftungen längst massiv Einfluss auf die Lehrpläne nehmen. Unter Strich: Früher, schneller, mehr und praxisnäher sollen unsere gehetzten Kinder schon heute einüben, was sie morgen in der Arbeitswelt brauchen. Aber das Beste für den Markt ist nicht zwangsläufig das Beste fürs Kind.

Alexander Provelegios, Peter Köpf

Informationen zum angesprochenen Buch finden Sie hier.

Peter Köpf / Alexander Provelegios: Wir wollen doch nur ihr Bestes!
Das Abraham-Syndrom: Wie unsere Kinder verplant und verwertet werden. Eine Streitschrift zur Ökonomisierung der Kindheit, 192 Seiten, Hamburg (Europa Verlag), 2002